Stimmung: Wovon träumt Ihr nachts?


 

Ich staune immer wieder, woher die positive Stimmung an der Börse kommt. Wirklich positive Nachrichten gibt es nicht. Die Geschwindigkeit der Abwärtsbewegung lässt nach, aber von einem Aufschwung sind wir noch sehr weit entfernt. Für mich gibt es mehrere Erklärungsmuster. Vielleicht haben sich die Akteure in Wahrheit noch nicht richtig von der Euphorie der vergangenen Jahre verabschiedet. Vielleicht hat sich als Muster eingebrannt, dass es doch irgendwie immer („in the long run" nach oben geht. Damit wäre die Realität einfach noch nicht angekommen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass angesichts der schwarzen Prognosen und der ständigen Ankündigung des nahenden Weltuntergangs viele seit Wochen und Monaten jeden Morgen erneut positiv überrascht sind, dass sie überhaupt noch Leben. Der „Referenzpunkt“ für die Einschätzung der Lage wäre also so niedrig, dass die erlebte Wirklichkeit viel positiver gesehen wird und damit die Stimmung wieder steigt. Das erinnert mich etwas an einen Patienten, der die Diagnose über eine schwere Krankheit bekommen hat und angesichts der tödlichen Prognose irgendwann ganz euphorisch wird, weil er doch noch immer lebt.

2 Kommentare 27.5.09 22:02, kommentieren

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Stimmung: Heiter aber kraftlos

In den vergangenen drei Monaten hat der DAX rd. 30% zugelegt. Heute schloss der DAX mal wieder knapp über 5.000 Punkte. Die fundamentalen Nachrichten sind unverändert schlecht. Beispiel von heute: Absatz von Nutzfahrzeugen gegenüber Vorjahr um 40% eingebrochen. Und: Häuserpreise in USA sinken dramatisch. Dies dürfte negative Auswirkungen auf den Konsum haben. Zudem erreichen die Zwangsversteigerungen auch die „besseren“ Schichten, u.a. aufgrund der zunehmenden Arbeitslosigkeit. Das Immobiliendesaster in den USA geht insofern inzwischen weit über die „Subprime-Sector“ hinaus.

Insgesamt besteht der Eindruck, dass die Stimmung deutlich besser ist als die Lage. Durch verschiedene Maßnahmen ist der wirtschaftliche Einbruch noch nicht bei den Menschen angekommen. Wenn aber die Stimmung erstmal so schlecht wird wie die Lage, könnte die Lage noch schlimmer werden.

Nachdem der DAX in den letzten drei Wochen mehrfach kurz aber kraftlos über die 5.000 Marke gesprungen ist, kann man angesichts der Fundamentaldaten absehen, dass ein weiterer Ausbruch nach oben ausbleiben und damit der Pessimismus wieder zunehmen wird. „Sell in May and go away“ könnte sich auch in diesem Jahr bewahrheiten. Ich sehe den DAX bis September 2009 immer noch unter 4.000 Punkten.

27.5.09 21:30, kommentieren